„Etwas Besseres hätte mir nicht passieren können“

Landrat Johann Wimberg feierlich mit vielen Ehrengästen mit musikalischem Abend verabschiedet
29.10.2026
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„Ouvertüre und Schlussakkord“ für Landrat Johann Wimberg (links). Für einen unvergesslichen Abschied aus dem Amt sorgten seine Frau Claudia (v.l.), Ministerpräsident Olaf Lies, Moderator Ludger Abeln und Erster Kreisrat Ansgar Meyer.
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Mit ihm feierten auch sein Stellvertreter Erster Kreisrat Ansgar Meyer (links) und Nachfolger Dirk Gehrmann. Foto: Torsten von Reeken

Landkreis Cloppenburg. Nach drei Jahrzehnten in kommunalpolitischer Verantwortung ist Johann Wimberg als Landrat des Landkreises Cloppenburg nun offiziell verabschiedet worden. Rund 250 Gäste aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Gesellschaft, Kirchen und Institutionen kamen zu „Ouvertüre und Schlussakkord“ in der Stadthalle Cloppenburg zusammen.

Johann Wimberg begann seinen kommunalpolitischen Weg 1991 als Mitglied des Friesoyther Stadtrates und dann als Abgeordneter des Cloppenburger Kreistages. 1996 wurde er Bürgermeister der Stadt Friesoythe. 2014 folgte die Wahl zum Landrat des Landkreises Cloppenburg, 2021 seine Wiederwahl. Zum 31. Oktober 2026 scheidet der 57-Jährige aus dem Amt, nachdem er auf eine erneute Kandidatur verzichtet hatte.

Der Abend wurde von Ludger Abeln moderiert. Der Moderator erinnerte humorvoll daran, dass Wimberg während seiner Amtszeit sicherlich häufig genug die Haare habe raufen müssen. Deshalb habe er heute keine mehr. „Aber ein Bart gleicht viel aus“, ergänzte Abeln mit Blick auf den markanten Bart des scheidenden Landrats.

„Johann darf stolz sein auf die vielen Gäste, die heute hier sind“, sagte Erster Kreisrat Ansgar Meyer zur Begrüßung. Die Verabschiedung sei bewusst nicht als klassischer Festakt gestaltet worden. Statt zahlreicher Reden sollte vor allem die Musik im Mittelpunkt stehen. Das entsprach Wimbergs Wunsch: „Weniger Reden und mehr Musik.“ Meyer würdigte als Stellvertreter Wimberg als menschlichen und nahbaren Landrat. Er sei offen auf die Menschen zugegangen und habe sich für ihre Anliegen interessiert. „Du konntest in der Sache deutlich werden, ohne persönlich verletzend zu sein“, sagte Meyer.

Klarheit und Freundlichkeit würden oft als Gegensätze verstanden. Wimberg hab gezeigt, dass sie sich gegenseitig stärken könnten.

„Johann ist ein Mensch, der es schafft, auf eine unglaublich angenehme und freundliche Art sehr klar im Ton zu sein“, bestätigte auch Ministerpräsident Olaf Lies. Er hob in seiner Festrede Wimbergs Beitrag zur Entwicklung des Landkreises und der Region hervor. „Wir befinden uns hier in einer der dynamischsten Regionen Niedersachsens – daran hattest Du großen Anteil“, betonte der Ministerpräsident. Wimberg habe zudem auch in schwierigen Zeiten Verantwortung übernommen – während der Flüchtlingskrise, der Corona-Pandemie und angesichts der Folgen des Krieges in der Ukraine. Lies würdigte zudem den Einsatz für die Krankenhäuser, den Ausbau der E 233, die Modernisierung der Schulen und den Katastrophenschutz.

Während Wimbergs Amtszeit wurden nach den Worten des Ministerpräsidenten Investitionen von rund 120 Millionen Euro für den Ausbau und die Modernisierung der Schulen auf den Weg gebracht. Mit dem Übungszentrum „Areal 51“ entstand darüber hinaus ein landesweit einzigartiges Zentrum für den Katastrophenschutz. Auch im Niedersächsischen Landkreistag engagierte sich Wimberg als Vorsitzender des Wirtschafts- und Verkehrsausschusses.

Eine besondere Rolle spielte bei der Verabschiedung das Jugendsinfonieorchester Oldenburger Münsterland, kurz JUSOM. Wimberg gilt gemeinsam mit seinem damaligen Vechtaer Amtskollegen Herbert Winkel als einer der Gründungsväter des Orchesters. Beide hatten die Gründung angestoßen und gefördert. Seitdem unterstützen die Landkreise Cloppenburg und Vechta das JUSOM maßgeblich. Das Orchester setzt sich im Wesentlichen aus Schülerinnen und Schülern der Musikschulen beider Landkreise zusammen. Unter der Leitung von Ulrich Schmidt, Leiter der Kreismusikschule Cloppenburg, spielte das JUSOM unter anderem das „Te Deum“, die „Rosamunde-Ouvertüre“, oder Medleys aus „Beauty and the Beast“ und „Peter Pan“. Damit erfüllte sich Wimbergs Wunsch nach einem musikalischen Abend.

Auch Ulf Dunkel, Kreistagsabgeordneter von Bündnis 90/Die Grünen, trat am Klavier auf. In seinem Medley „Johann Udo“ verband er Werke von Johann Sebastian Bach mit Liedern von Udo Jürgens. Das Publikum reagierte mit viel Lachen, Applaus und sichtlicher Freude auf dieses besondere Zeichen von parteienübergreifendem Respekt.

In einer von Ludger Abeln moderierten Talkrunde erinnerten sich Weggefährten aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Kultur und Bildung an die Zusammenarbeit mit Wimberg. Vechtas Landrat Tobias Gerdesmeyer würdigte die enge Verbindung beider Landkreise. Gemeinsam sei es gelungen, das Oldenburger Münsterland stärker sichtbar zu machen und bei regionalen Themen mit einer Stimme aufzutreten.

LzO-Vorstandsvorsitzende Tanja-Vera Asmussen hob Wimbergs Einsatz als Verwaltungsratsvorsitzender der Landessparkasse zu Oldenburg hervor, wodurch er zurück zu seinen Wurzeln als gelernter Banker gefunden habe. Museumsdorf-Direktor Dr. Thorsten Müller würdigte Wimbergs Engagement für Kunst und Kultur, unter anderem die Einrichtung des Kulturanthropologischen Instituts. Oberstudiendirektorin Marlies Bornhorst-Paul, ehemalige Leiterin der BBS Friesoythe, sah in Wimberg einen wichtigen Unterstützer der Schulen und der Wirtschaft. Für die Bürgermeister der 13 Städte und Gemeinden des Landkreises sprach Barßels Bürgermeister Nils Anhuth als Vorsitzender des Kreisverbandes des Niedersächsischen Städte- und Gemeindebundes:„All die Jahre, in denen wir mit einander diskutiert haben, sind wir immer vernünftig miteinander umgegangen. Ein respektvoller Umgang – Johann hat diesen wie kein anderer gelebt.“

In seinen Dankesworten zeigte sich Johann Wimberg bewegt. „Das alles konnte man sehr gut aushalten. Alle, die hier gesprochen haben, haben es viel zu gut mit mir gemeint“, sagte er. „Dieser Abend ist denen gewidmet, die mich kritisch begleitet und gefördert haben. Ohne sie wäre es nicht gegangen.“ Er blicke dankbar auf seine kommunalpolitische Laufbahn zurück. „Ich hatte das große Glück und konnte mein Hobby zum Beruf machen, etwas Besseres hätte mir nie passieren können.“

Sein großer Dank galt den Bürgerinnen und Bürgern der 13 Städte und Gemeinden, den Abgeordneten der Kreistage, den stellvertretenden Landräten sowie den rund 1.100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Kreisverwaltung. Besonders dankte Wimberg seiner Ehefrau Claudia: „Du bist mein Kraftzentrum, mein Korrektiv und meine erste Beraterin und musstest oft auf mich verzichten. Du hast mich immer wieder aufgebaut und motiviert.“

Wimberg verabschiedete sich mit einer Liedzeile von Udo Jürgens und rundete damit nicht nur den musikalischen Rahmen, sondern auch seinen Abschied vom Amt des Landrats ab: „Von Zeit zu Zeit werf' ich den Blick auf meinen bunten Weg zurück. Auf das, was war, und dabei wird mir klar: Ich würd' es wieder tun.“

Zum Abschluss spielte das JUSOM „Heil dir, o Oldenburg“ und die Nationalhymne. Die Gäste waren zum Mitsingen eingeladen.