Landkreis Cloppenburg unterstützt Charta zur Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen

Würdevolle Versorgung am Lebensende
28.03.2026
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Wollen sich für die Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen einsetzen: Netzwerkorganisatorin Mechthild Untiedt und Landrat Johann Wimberg (vorne) sowie Sozialdezernent Thomas Willen (2. von links) und Christoph Essing, Gesundheitsregion.

Landkreis Cloppenburg. Landrat Johann Wimberg hat die Charta zur Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen unterzeichnet. Damit setzt der Landkreis Cloppenburg ein starkes Zeichen für eine würdevolle palliative Versorgung in der Region. Der Landrat ruft zudem alle Städte und Gemeinden im Kreisgebiet auf, sich dieser wichtigen Verpflichtung anzuschließen. „Sterbende Menschen haben einfach keine Lobby“, betonte Landrat Wimberg bei der Unterzeichnung. „Die meisten denken darüber nach, die wenigsten tun etwas. Das Thema wird oft weggeschoben und verdrängt – man setzt sich nicht gerne mit Sterben und Tod auseinander. Mit der Unterzeichnung dieser Charta wollen wir das Thema Palliativversorgung und Hospizarbeit stärker in die Mitte der Gesellschaft rücken und zum Nachdenken anregen“, so der Landrat.

Die Charta verpflichtet den Landkreis zu fünf zentralen Handlungsfeldern:

Würdiges Sterben ermöglichen: Der Landkreis setzt sich dafür ein, ein Sterben unter würdigen Bedingungen zu ermöglichen und dem Sterben als Teil des Lebens gebührende Aufmerksamkeit zu schenken.

Vernetzte Versorgungsstrukturen: Bedarfsgerechte und hochwertige Angebote sollen für Menschen jeden Alters und mit verschiedensten Erkrankungen weiterentwickelt und vernetzt werden, um Versorgungskontinuität zu gewährleisten.

Qualifizierte Aus- und Weiterbildung: Der Umgang mit schwerstkranken und sterbenden Menschen wird gezielt in die Aus-, Weiter- und Fortbildung der Beteiligten in verschiedensten Bereichen integriert.

Forschung und Wissenstransfer: Interdisziplinäre Forschung wird weiterentwickelt, um die Versorgungssituation Betroffener sowie ihrer Angehörigen kontinuierlich zu verbessern.

Internationale Vernetzung: Der Austausch mit anderen Regionen und Ländern wird systematisch gefördert, um von deren Erfahrungen zu lernen und eigene Impulse zu geben.

„Die Unterzeichnung dieser Charta untermauert die Absicht des Landkreises, sich für Palliativversorgung und Hospizarbeit zu engagieren. Der Landkreis macht das verpflichtend zu seinem Thema“, freute sich Mechthild Untiedt, Koordinatorin für die Hospiz- und Palliativversorgung im Landkreis Cloppenburg. „Sterbende Menschen haben einfach keine Lobby. Die meisten von uns wollen zuhause sterben, die wenigsten tun es“, bedauert Untiedt. Das liege zum Teil am Gesundheitssystem, am Fachkräftemangel oder an mangelnder familiärer Versorgung. Jeder Mensch habe am Lebensende ganz andere Umstände. „Das Krankheitsbild ermöglicht nicht immer, im Hospiz oder zuhause zu sterben“, erklärt Untiedt.

„Wir haben im Landkreis bereits ein gutes Netzwerk aus Palliativmedizin, Hospiz und praktischer Versorgung. Wo ich aber Wachstumspotenzial sehe, ist die Prävention und Aufklärung“, erläuterte Landrat Wimberg. „Es fehlt an Sensibilisierung – zum Teil auch wegen der Überlastung und emotionalen Belastung vieler Fachkräfte. Jeder Mensch hat am Anfang und am Lebensende ganz andere Umstände und Bedürfnisse. Die Palliativversorgung oder das Hospiz muss individuell zum Krankheitsbild passen.“

Sozialdezernent Thomas Willen ergänzte: „Man müsste sich für die Vorbereitung des eigenen Todes viel mehr Zeit nehmen, denn am Ende hat man sie nicht mehr. Man fällt nicht tot um, wenn man über den Tod redet. Wer sich vorher damit beschäftigt, hat es danach einfacher.“

Der Landrat hat bereits alle Bürgermeisterinnen und Bürgermeister im Kreisgebiet angeschrieben und dafür geworben, sich ebenfalls zur Unterschrift bereit zu erklären. „So können wir gemeinsam deutlich mehr Menschen erreichen und das Thema auch über Rathäuser in die Öffentlichkeit vor Ort tragen. Wir hoffen, dass möglichst viele Kommunen diesem wichtigen Aufruf folgen“, so Wimberg.